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Christoph Kloft - Autor und Verleger


Rezensionen

 Blick auf eine geliebte Landschaft

Zum 70. Geburtstag von Dr. Hermann Josef Roth erschien ” …und mittendrin der Westerwald”

Wer sich mit der Geschichte des Westerwaldes beschäftigt, stößt irgendwann auf den Namen Hermann Josef Roth. Wenn man sich für die lokale Flora und Fauna interessiert, führt an diesem Namen auch kein Weg vorbei. Und wer in der Region auf den Spuren von Natur-und Denkmalschutz wandelt, dann tritt der Name Roth auch ganz schnell in den Vordergrund. Ein Universalgenie also? Das Geburts­tagskind selbst würde das “Genie” weit von sich weisen und auch das “Universal” lediglich bescheiden auf seine Fachgebiete begrenzen. Unbestritten aber vereinigt der 1938 in Montabaur geborene Sohn des ehemaligen Landrats Heinrich Roth viele Talente in einer Person.

Und denen ist er auch begeistert nachgegangen. Hat Philosophie, Theologie, Biologie, Chemie und Physik studiert, war in der Seelsor­ge, als Pädagoge und Publizist tätig. Und dies über Jahrzehnte. Ruhe­stand ist für ihn ein Fremdwort.

Eine Auswahl aus seinen umfangreichen Veröffentlichungen ist nun in einer Anthologie erschienen. Für die Herausgabe sorgte der Kölbinger Journalist und Verleger Christoph Kloft. Das ansprechend gestaltete Buch beinhaltet Aufsätze zur Geschichte, zu Natur und Landschaft, zur Religion und zu den Menschen in der Heimatregion. Bei Roth sprengt die Heimat aber die engen Mauern seiner Geburts­stadt und reicht auch über Kreis- und Naturraumgrenzen hinaus. Dies unterstreichen die drei Grußworte von Kurt Beck, Jürgen Rüttgers und dem hessischen Minister Karlheinz Weimar. Hermann Josef Roth ist daheim zwischen Rheingau und bergischem Land, in der Kölner Bucht ebenso wie an Sieg und Lahn. Und wenn es das Thema erforderlich macht – wie bei Maximilian Prinz zu Wied – dann reicht die Heimat auch bis nach Brasilien.

Bei all seinen thematischen Ausflügen bleibt eine feste und unver­rückbare Größe: …und mittendrin der Westerwald. Egal welches The­ma er aufgreift; immer ist die Liebe zu dieser Landschaft und ihren Bewohnern spürbar. Er schreibt anschaulich und nicht wissenschaft­lich “gestelzt”. Sein fundiertes Wissen fließt leicht aus der Feder und er kommt dabei fast völlig ohne Fußnotengräber aus. Was das Buch zusätzlich interessant und spannend macht ist die Themenvielfalt.

Christoph Kloft (Herausgeber): …und mittendrin der Westerwald, Band 19 der Schriftenreihe der Geschichts- und Kulturwerkstatt Westerwald, 352 Seiten, fester Einband, Fadenheftung, erschienen im Paulinus-Verlag, Trier, ISBN-Nr. 978-3-7902-1627-1, Preis: 19,80 Euro, erhältlich in allen lokalen Buchhandlungen

Wolfgang Gerz

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Rezension zu Christoph Kloft: 

Katjas Buch. Das Leben im Gesicht. 

 Alf (Rhein-Mosel-Verlag) 2004
 Die Vertikale. Das Schicksal. Am Boden liegt ein Mensch, den es getroffen hat, den so vieles getroffen hat, der mit Schmerzen und schließlich dem Tod ringt, der zu Gott (und seinen irdischen Stellvertretern, den Ärzten) schreit: WARUM?? Ein weiblicher Hiob? Eine Frau, die nicht in den Hades geführt werden will, sondern ihr Wohnrecht in der hellen Oberwelt behalten möchte? Lassen wir Bibel und Mythologie beiseite, nehmen wir die Fakten. Eine junge Frau am Ende der Zwanziger, die von Schmerzen überfallen wird: Zunächst im Gesicht, schließlich an der Wirbelsäule. Die eine Odyssee (also doch wieder Mythos?) durch das Reich der Ärzte macht, zwischenzeitlich Linderung erfährt, Studium und Leben fortsetzen möchte, die, als das zu gelingen scheint, vor die Diagnose ‘Brustkrebs’ gestellt wird, die ein Tagebuch beginnt, die Reise durch die Eisregionen der Weißkittel fortsetzt, schließlich 37-jährig stirbt. Ganz klein, ganz unten.
 Zur Vertikale gehört das Oben. Wer ist oben, wer zieht die Fäden? Katja Sturm – so heißt die Frau – ist ehrlich, also: Sie weiß es nicht. Andere wissen es genau, wollen Katja für den Weg nach oben aufrüsten. Fromm, charismatisch, mit jener Taktlosigkeit der Erlösten, die erste Reihen in Friedhofskapellen für sich reklamieren, und die die Verstorbene besser kannten als diese sich selbst. Den Himmel sowieso. Vertikale gut, alles gut? 
Die Horizontale. Ein Netzwerk zwischen Menschen. Kein Netzwerk zwischen Computern oder Servern, erst recht kein ‘Netzwerk’ des Terrors. Dafür ein Netzwerk der Hilfe, der Liebe, des Taktes. Ein äußeres Netzwerk wurde von jenen Spendern gebildet, die einem Aufruf in der Lokalzeitung folgten und für Katjas Behandlung und ihre in finanzielle Not geratene Familie spendeten. Das “innere Netzwerk” bildeten Katjas Freunde und Freundinnen. Wie es sich für ein Netzwerk gehört, funktioniert dieses ohne zentrale Steuerung. Freunde Katjas formieren sich zur Band. Diese sollte ihren ersten und einzigen Auftritt bei Katjas Beerdigung erleben. Dann war da das innerste Netzwerk: Ein Freund aus Schulzeiten (und seine Frau und seine Kinder). Sie wussten um jenes Tagebuch der Schmerzen, des Krebses und des Alltags, das Katja führte. Besagter Freund hatte es redigieren und herausgeben sollen. So war es abgesprochen. 
Katja konnte ihr Buch nicht abschließen. So wurde aus dem Herausgeber ein Autor, der einen Rahmen für Katjas Tagebuch-Fragmente schafft, indem er erzählt, einordnet, kommentiert. Immer er selbst, niemals mit und nach dem Mund Katjas redend. Ehrlich auch, weil er keine Heiligenlegende webt. Denn Katja war nicht heilig! Sie war zickig, und noch vieles mehr. Das macht sie anstößig: Wenn nicht begreifbar, dann doch begreifbar in ihren Konturen. Nein, hier liegt nicht das tausendundzweite Tagebuch einer ‘Betroffenen’
vor (vom ghost-writer verfasst…). Es mutierte – der zum Autor gewordene Herausgeber mag widersprechen – zu seinem Roman, ohne je den Bezug auf Katja aus den Augen zu verlieren. Es entstand ein Entwicklungsroman, der, indem er Katja aufsucht, die eigene verlorene Zeit, Jugend, Freunde, Bekannte, findet, wiederfindet im Netzwerk um Katja. Und: Ein Abenteuerroman in die Exotik eines Alltags im Ausnahmezustand. Wir haben es mit einer Versuchsanordnung zu tun: Katjas Krebs-Diagnose ist die Eröffnung eines Experiments. Für Katja: Schlägt die Chemotherapie (und die Bestrahlung und…) an? Für ihre Freunde stellen sich andere Fragen: Wie können wir Katja optimal helfen? Daneben, dahinter Fragen von Kant’schem Ausmaß: Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen?? Abseits von Helfen und Bangen aber auch: Wie wurden wir, was wir sind? Wo liegt der Sinn? Der Kreis zur vertikalen Ordnung der Dinge schließt sich, wenn Gott ins Denken und Reden fällt. Kein Gott abstrakter Begrifflichkeit, sondern jener Gott, der Stippvisiten in Wohnküchen macht und jede, anders erscheint. 
Es schließt sich auch ein topographischer Kreis: Alle Netzwerker sind ja Westerwälder, einige davon im ‘Exil’. Manchmal stiernackig, wortkarg, trutzig, eben so wie die Westerburg über des Verfassers (und des Rezensenten) Schulstädtchen thront. Nähe und Ferne: Die kranke Katja reist in die USA und findet dort, neben guten Freunden, doch nur ihre Krankheit. Wie im Märchen von Hase und Igel: Ich bin schon da, sagt der Krebs. Er sagt es immer häufiger und von immer neuen Standorten aus. Manchmal übertönt ihn Gelächter. Ja, im Umkreis von Katjas Leiden und Tod durfte gelacht werden, und es ist gelacht worden bis zuletzt und danach. 
Was uns der Verfasser mit diesem Buch sagen will? Nichts, denn wie bei aller gelingenden Literatur geht es nicht um Botschaften, sondern ums Erzählen. Christoph Kloft erzählt eine Erschütterung weitab von allen Betroffenheitsschnulzen. Katjas Passion erschüttert, und diese Passion ist deshalb bedrängend nah, weil sie auf jeden jederzeit zukommen kann. Warum? Warum jetzt? Warum ich? Warum Du? Fragen, Fragen. Sie zu stellen, vorsichtige, immer subjektive Antworten auszutasten, schließlich: Sich das Leben ins Gesicht zu schreiben – das wäre das Resultat für jene Versuchsanordnung, die Katjas Buch mit uns anstellt. Wie jede gute Lektüre hinterlässt dieses Buch Spuren. Nicht nur im Gesicht. 
 
 Dr. Johannes Roskothen
 PRIVATDOZENT FÜR NEUERE DEUTSCHE LITERATURWISSENSCHAFT
LEHRBEAUFTRAGTER AM GERMANISTISCHEN SEMINAR IV
DER HEINRICH-HEINE-UNIVERSITÄT DÜSSELDORF