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Christoph Kloft - Autor und Verleger


Leseprobe

Basaltbrocken
 
Er mochte sie nicht, die Tage, wenn der alte Matz kam. Noch einmal zog er sich an diesem empfindlich kühlen Novemberabend darum seine Jacke über, um nach Berta zu sehen. “Du alter Bauer, warum kannst du mir nur nicht sagen, was los ist”, dachte die Frau, die es nun schon eine ganze Reihe von Jahren mit ihm aushielt, als sie die Tür ins Schloss fallen hörte. Dabei wußte sie doch ganz genau, was mit ihm los war.

Aber so war er nun einmal, ihr Johannes, und sie kannte ihn genug, um zu wissen, dass sich das niemals ändern würde. Und dann stellte sie sich vor, wie er gerade wieder vor der Sau stand und ihr seine Ansprache hielt. Bestimmt gab er ihr auch wieder von den besten Kartoffeln, sorgte sie sich, und am nächsten Tag, wenn der alte Matz kam, würde er wieder einen dringenden Weg zu erledigen haben. Immer war das so, und Agnes kannte keinen Grund, warum es diesmal anders sein sollte: wahrscheinlich mußte ihr Johannes wieder unbedingt in die Stadt – sie war eigentlich nur noch gespannt, welcher Anlaß dafür ihm bis morgen früh eingefallen war.

Der Bauer stand in diesen Augenblicken vor der Sau und erzählte mit ihr. ”Na, Berta, glaubst wohl auch, es wird ein harter Winter. Zum Glück hast du’s hier einigermaßen warm. Die Ritzen mache ich schon noch dicht.”

“Wenn du wüßtest”, dachte er dabei und hielt der Sau eine besonders dicke Kartoffel hin. “Ja, friß nur, wir haben sowieso zu viele davon.”

Natürlich stimmte das nicht, denn man konnte nie wissen, wie lange der Winter dauern würde. Trotzdem griff Johannes noch einmal in den Sack, den er hinter der Stalltür verborgen hatte, und hielt Berta eine weitere Kartoffel hin. …

Katerstimmung

Alltag in den neuen Bundesländern
 
Ein wichtiges, gewiß in vieler Hinsicht ernüchterndes Zeitdokument aus den ersten Jahren des wiedervereinigten Deutschlands.   “Katerstimmung” ist aber auch ein Buch, das durchaus ein Lehrbuch für den “Altbundesbürger” sein kann- unterrichtet wird das Lehrfach “Verständnisvolles Miteinander”.
 
Gerhard Neumann, MdB

 

Prolog

Halb ein Uhr nachts. Bis zuletzt den Aufbruch hinausgezögert. In acht Stunden ist Arbeitsbeginn in Weimar. Goethe und Schiller lebten hier. Jede Menge Kultur. Der politische Hintergrund der letzten vierzig Jahre verschwimmt fast. Die Koffer sind für ein paar Wochen gepackt. Nur schnell einladen und verabschieden, weg von solchen Szenen. Geschafft. Mit Kloß im Hals fahre ich Richtung Autobahn. Leere. Kaum ein Wagen auf der Straße. Ich beneide die, die mir entgegenkommen, würde auch am liebsten wieder wenden. Es dauert eine Weile, bis sich die Müdigkeit legt. Frankfurt, Gießen. Hier war ich schon oft, hier ist mir alles noch bekannt. Irgendwann ein Trabi am Fahrbahnrand. Verlassen. Ohne Nummernschild. Ein erster Vorbote der sogenannten neuen Bundesländer? Ab Gießen ist Eisenach schon ausgeschildert. Die Lutherstadt gleich hinter der ehemaligen Grenze. Gedanken steigen hoch, die durch die Tristheit der nächtlichen Fahrt eine verklärende Beleuchtung erfahren. Was tue ich eigentlich hier, jetzt zu dieser ungewohnt späten Stunde?